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Eine Gruppe aus Barcelona kommt nach Couvet, während die Schweizer Pharma um ihren Platz kämpft

STE Pharmaceuticals plant bis 2032 Produktion und F&E in Couvet. Wie das zu US-Druck, Chinas Aufstieg und teureren Medikamenten passt und was es für Stellen heisst.

· 7 Min. Lesezeit

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STE Pharmaceuticals, eine Gruppe mit Sitz in Barcelona, will in Couvet im Kanton Neuenburg einen Produktions- und Forschungsstandort mit 15'000 m² bauen. Die Arbeiten sollen 2032 abgeschlossen sein. Es ist ein einzelnes Projekt, und es liegt noch in weiter Ferne. Doch es fällt in eine Zeit, in der swissinfo.ch in einer Serie berichtet, wie die Geopolitik die Branche und den Platz der Schweiz darin verändert. Zusammen gelesen zeigen beide eine Branche, die an der Spitze unter Druck steht und trotzdem neue Unternehmen anzieht. Hier finden Sie die Nachricht, die Hintergründe und was das bedeutet, wenn Sie in der Branche arbeiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Plan: STE will ein ehemaliges Werk von Analytecon in Couvet zu einem Produktionsstandort mit einer Abteilung für Forschung und Entwicklung umbauen. Die öffentliche Auflage läuft bis zum 9. November, eine Stellenzahl gibt es noch nicht.
  • Der Druck: Roche und Novartis haben den USA Investitionen von 73 Milliarden Dollar zugesagt, Chinas Anteil an der weltweiten Medikamenten-Pipeline hat 31 Prozent erreicht, und ein neues Medikament kostet die grössten Konzerne 65 Prozent mehr als 2014.
  • Für Ihre Laufbahn: Die meisten Schweizer Stellen gibt es bei der Herstellung und Prüfung von Medikamenten, die Arbeit rund um Studien und Zulassungen wird aufwendiger, und Erfahrung mit chinesischen Partnern wird wertvoller.

Der Plan für Couvet

STE Pharmaceuticals ist in mehr als 60 Ländern tätig und auf Nasensprays, Hustensirupe und natürliche Nahrungsergänzungsmittel spezialisiert. Die Schweizer Gesellschaft der Gruppe, STE Swiss Pharma, ist die frühere Analytecon unter neuem Namen: Laut Handelsregister hiess sie bis zu diesem Frühjahr Advantal Swiss Pharma. moneyhouse.ch Der neue Name steht bereits am Werk, das die Gruppe umbauen will. Die erste Hürde ist die Baubewilligung: Das Gesuch, das auch einen Abbruch umfasst, liegt bis zum 9. November öffentlich auf. RTN, swissinfo.ch

Stefano Ponta, Verwaltungsratsmitglied von STE Swiss Pharma, sagte dem Regionalradio RTN, das Ziel sei die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze, für eine Zahl sei es aber zu früh. Auch zum Grund für den Schritt äusserte er sich klar: «Das Hauptziel war, in die Schweiz zu kommen, um eine Abteilung für Forschung und Entwicklung aufzubauen» (unsere Übersetzung). In einem Jahr voller Sorgen um die Schweizer Forschung ist das bemerkenswert.

In Couvet sind bereits drei Pharmafirmen ansässig: WuXi AppTec über die Tochter WuXi STA, Sintetica und GMT Fine Chemicals. Das könne die Wahl teilweise erklären, sagte Ponta. Matthieu Aubert, Chef des Service de l'économie des Kantons, sagte, das Val-de-Travers hänge noch stark von der Uhrenindustrie ab, internationale Neuzugänge würden die lokale Wirtschaft breiter abstützen, und ein Pharma-Cluster in Couvet könne qualifizierte Fachkräfte anziehen. RTN

Der Druck ringsum

Die Schweizer Pharmaindustrie beschäftigt direkt mehr als 56'000 Menschen und laut einer BAK-Studie von 2024 im Auftrag des Branchenverbands Interpharma indirekt rund 250'000. Ihre Exporte überstiegen 2025 die Marke von 100 Milliarden Franken, fast 22 Prozent des Werts aller Schweizer Exporte. swissinfo.ch Das steht laut der Serie auf dem Spiel.

Die USA wollen die Investitionen und tiefere Preise. Um US-Zölle abzuwenden, sagten Roche und Novartis zu, in den nächsten fünf Jahren zusammen 73 Milliarden Dollar in den USA zu investieren. Auf die USA entfällt rund die Hälfte des weltweiten Umsatzes von Roche, auf die Schweiz weniger als 2 Prozent. swissinfo.ch Der Most-Favoured-Nation-Plan (MFN) von Präsident Trump, der die US-Medikamentenpreise an jene in Vergleichsländern wie der Schweiz angleichen soll, fällt enger aus als zunächst befürchtet: Nach den am 30. September angekündigten Regeln fallen nur vier ungenannte Unternehmen unter GLOBE, das obligatorische Medicare-Pilotprogramm für in Kliniken verabreichte Medikamente, und die geschätzten Einsparungen dieses Programms sanken von 11,9 Milliarden auf 440 Millionen Dollar. Hierzulande wirkt er trotzdem. Laut einer Umfrage von Interpharma unter ihren Mitgliedern führten MFN-Bedenken dazu, dass Firmen zwischen Januar 2025 und Juni 2026 7 von 22 neuen innovativen Medikamenten nicht für die Spezialitätenliste anmeldeten. swissinfo.ch

China ist heute Konkurrent, Partner und Nachbar. Chinas Anteil an der weltweiten Medikamenten-Pipeline stieg von 18 Prozent 2021 auf 31 Prozent Anfang 2026, während jener der Schweiz knapp unter 7 Prozent bleibt. Auslizenzierungen chinesischer Firmen an globale Pharmakonzerne waren 2025 potenziell 137 Milliarden Dollar wert, mehr als das Doppelte des Vorjahres. swissinfo.ch Weil das Risikokapital im eigenen Land schrumpft, schauen sie auch nach Europa: 12 chinesische Firmen kamen im Mai mit Unterstützung der offiziellen Schweizer Export- und Investitionsförderung an den Swiss Biotech Day in Basel, fast doppelt so viele wie im Vorjahr, und mindestens 15 weitere kamen auf eigene Initiative. swissinfo.ch Dieser Faden führt auch nach Couvet: WuXi AppTec gehört zu den chinesischen Auftragsherstellern, die die Serie nennt.

Jedes neue Medikament kostet mehr. Die 20 grössten Biopharma-Konzerne der Welt gaben 2024 laut Deloitte im Schnitt 2,23 Milliarden Dollar pro neues Medikament aus, 65 Prozent mehr als 2014 oder inflationsbereinigt rund 25 Prozent. Phase-3-Studien erheben heute im Schnitt fast sechs Millionen Datenpunkte, gegenüber rund 929'000 im Jahr 2012, und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wirkstoff aus Phase 1 auf den Markt kommt, ist auf 6,7 Prozent gefallen. swissinfo.ch

Basel zahlt, um seinen Platz zu halten. Basel-Stadt gibt jährlich 150 bis 500 Millionen Franken für ein Förderprogramm aus, das bis zu 25 Prozent der F&E-Löhne und Geräteabschreibungen sowie 10 Prozent der Kosten klinischer Studien in der Schweiz zurückerstattet. In der Region Basel gibt es 800 Life-Sciences-Unternehmen, vor zehn Jahren waren es laut dem Chef der Standortförderung rund 600, und mehr als 33'000 Menschen arbeiten in der Branche. Die Sorge ist in Bern angekommen: Das eidgenössische Parlament hat kürzlich eine Motion für eine nationale Pharmastrategie angenommen. swissinfo.ch

Auch die Genfer Non-Profits spüren es. Medicines for Malaria Venture, die Drugs for Neglected Diseases initiative und die Global Antibiotic Research and Development Partnership kündigten im Juni eine Allianz an, während die Forschungsausgaben der Pharmaindustrie für vernachlässigte Krankheiten von 824 Millionen Dollar 2018 auf 623 Millionen 2024 sanken. Ihre Finanzierung ist für die nächsten fünf Jahre gesichert, doch laut ihnen steht insgesamt weniger Geld zur Verfügung. swissinfo.ch

Was das bedeutet, wenn Sie in der Branche arbeiten

Dieser Teil ist unsere Einschätzung, nicht die der Berichterstatter.

Schauen Sie über Basel hinaus. Qualität, Produktion, Verfahrenstechnik und Supply Chain machten in unserem Stellenmonitor vom Oktober 58 Prozent der offenen Stellen aus, und das Wallis sowie Aargau und Solothurn lagen knapp hinter der Region Basel. Ein Produktionsstandort in einem Dorf passt besser in dieses Bild, als die Schlagzeilen über Basel vermuten lassen.

Behalten Sie Couvet im Auge, aber planen Sie noch nicht damit. Es gibt noch keine Baubewilligung und keine Stellenzahl, und das Ziel ist 2032. Wenn die Personalsuche beginnt, braucht ein solcher Umbau meist Verfahrensingenieurinnen und -ingenieure sowie Fachleute für Qualifizierung und Validierung lange vor dem Produktionspersonal. Rechnen Sie damit, dass Sie Französisch brauchen: Zwei der drei Stellen auf unserer Seite Neuenburg und Jura verlangen es am 3. November. Auf der eigenen Website beschreibt STE die Produkte als Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel, die auch fertig für Marken anderer Firmen angeboten werden. Erfahrung mit den Regeln für Medizinprodukte kann also ebenso zählen wie GMP für Arzneimittel. STE Pharmaceuticals Wir lesen in dieser Region bisher wenige Arbeitgeber, schauen Sie deshalb auch direkt auf den Karriereseiten der Nachbarn nach: WuXi AppTec, Sintetica und GMT Fine Chemicals.

Die Arbeit an Studien wird aufwendiger. Jede zusätzliche Biopsie, jeder Scan und jedes weitere Land in einer Studie bringt mehr Genehmigungen, Logistik, Monitoring und Datenmanagement, berichtet swissinfo.ch. Das ist der Alltag in der klinischen Studienleitung, bei Regulatory Affairs und in der Data Science. Ein Teil davon kann allerdings abwandern: McKinsey schätzt, dass die Rekrutierung von Patientinnen und Patienten in China zwei- bis fünfmal schneller geht.

Erfahrung mit China lohnt sich zu nennen. Nach Anzahl Abschlüssen stammte im ersten Halbjahr 2026 rund die Hälfte aller Lizenzdeals grosser Pharmakonzerne aus China. Wenn Sie mit chinesischen Partnern gearbeitet haben, ob im Business Development oder bei einem Auftragshersteller, gehört das in Ihren Lebenslauf.

Preisfragen werden wichtiger, in einem kleinen Markt. MFN hat Market Access für Unternehmen in der Schweiz zu einer strategischen Frage gemacht, doch darauf entfielen nur 9 der 754 Stellen in unserer Oktoberzählung.

Was Sie im Auge behalten sollten

  • Couvet: Die Auflage endet am 9. November. Danach folgen die Baubewilligung und die Stellenzahl, zu der Ponta später Neuigkeiten verspricht.
  • Bern: Die Gesundheitskommissionen des Parlaments schlugen vor, Mengenrabatte auf hochpreisige Medikamente aufzuschieben, und eine Arbeitsgruppe des Bundesrats zu den Life Sciences muss nun über das weitere Vorgehen entscheiden.
  • Washington: Die Regeln für GUARD, das zweite obligatorische MFN-Programm, sind noch nicht veröffentlicht, und der US-Branchenverband PhRMA klagt gegen GLOBE.

Um die offenen Stellen zu verfolgen, richten Sie auf der Seite Neuenburg und Jura oder aus jeder Suche einen Job-Alarm ein, oder abonnieren Sie das Swiss Life Science Briefing für die Nachrichten dahinter.

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